Die leidige Sache mit dem Geld
Karl Immervoll, Betriebsseelsorger
Wenn dein Bruder verarmt und er sich neben dir nicht halten kann, so sollst du ihm helfen, als wäreer Fremdling oder Beisasse, dass er neben dir leben kann. Du darfst von ihm keinen Zins undAufschlag nehmen, sondern fürchte dich vor deinem Gott und lass deinen Bruder neben dir leben.
(Buch Leviticus 25, 35f)
Wir wissen längst: Das Geld ist ungleich verteilt, nicht nur unter den Menschen, sondern auch zwischen Regionen. Der Umgang mit dem Geld als Spekulationsmittel, für das auch Zins genommen, wenn es verborgt wird, schafft Ungerechtigkeiten. Alleine die Tatsache, dass eine gute Veranlagung Gewinne bringt, zeigt die Verkehrtheit unserer Werte: Das Geld arbeitet.
Als ob Geld Eigenschaften wie eine Person hat.
Wörgl 1932
Schon im Jahr 1932 gab es im Tiroler Wörgl einen überaus denkwürdigen Versuch: Der Gemeinderat führte sogenanntes Schwundgeld ein. Unsere Waren verfaulen, vergehen, brechen,
rosten,... stand in einem Buch des Ökonomen Silvio Gesell. Wenn also Geld wieder Tauschmittel werden sollte, dann muss es die gleiche Eigenschaft haben: weniger wert sein, vor allem dann, wenn es nicht ausgegeben wird. Der Bürgermeister von Wörgl, Michael Unterguggenberger begründete sein Nothilfeprogramm folgendermaßen: Langsamer Geldumlauf ist die Hauptursache der bestehenden Wirtschaftslähmung. Das Geld als Tauschmittel entgleitet immer mehr den Händen der schaffenden Menschen. Es versickert in den Zinskanälen und sammelt sich in den Händen weniger Menschen, die das Geld nicht mehr dem Warenmarkt zuführen, sondern als Spekulationsmittel zurückhalten. .... Jede Geldstauung bewirkt Warenstauung und Arbeitslosigkeit. ... Bleibt es in dieser Form, so lähmt es die Ernährung des Volkes, Friede und Wohlstand werden zerstört. Ganze Völker und Staaten werden dadurch vom Untergang bedroht.
Nur wenige besitzen viel
Was dieser einfache Mann, ein Eisenbahner, damals sagte, formuliert 55 Jahre später Johannes Paul II. in seiner Enzyklika In Sorge um Entwicklung und Friede (Sollicitudo rei socialis) so:
Eine der größten Ungerechtigkeiten in der Welt von heute besteht gerade darin: Nur relativ wenige sind es, die viel besitzen, und viele jene, die fast nichts haben. Es ist die Ungerechtigkeit der schlechten Verteilung der Güter und Dienstleitungen, die ursprünglich für alle bestimmt sind. (28)
Der Papst spricht dann von den Strukturen der Sünde.
Arbeitslosigkeit und Abwanderung
Das Waldviertel gehört seit jeher zu den benachteiligten Regionen. Was derzeit durch die Mechanismen der neoliberalen Markwirtschaft dem Waldviertel täglich an Geld verloren geht,
kann niemals durch Förderungen ausgeglichen werden. Wen wundert es, wenn die Menschen dem Geld nachgehen und abwandern. In der Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel haben wir uns von Beginn an mit der Frage der Arbeitslosigkeit und Abwanderung auseinandergesetzt und durch Gründung von Betrieben und Projekten mehr Arbeitsplätze geschaffen als ein mittlerer Betrieb. Aber wie wir es auch betrachten: Es gibt zuwenig Arbeit.
Daher haben wir uns entschlossen den Strukturen dieser Ungerechtigkeiten zu begegnen . Wir sind der Überzeugung: Gute Leben ist auch im Waldviertel möglich. Dafür geht allerdings ein Weg über eine eigene Währung für das Waldviertel.
Karl A. Immervoll






